Sonntag, 22. November 2009

Unsere liebe Frau vom Siege

Heute um 15 Uhr segnet der Apostolische Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Perisset, die neue Marienorgel der katholischen Pfarrkirche Unserer lieben Frau vom Siege in Witten.

Samstag, 21. November 2009

Christkönig

Mit der heutigen Vesper beginnt für mich eines der emotional bewegendsten Hochfeste des Kirchenjahres, und als ich auf der Suche nach einem Bild für diesen Blogeintrag war, wurde ich zunächst hier schmerzhaft fündig.

Die Frage dieses Hochfestes ist doch die, was am Ende bleibt, wenn Himmel und Erde vergehen, was geschieht, wenn wir eines Tages das irdische Leben verlassen und vor unserem Herrn und Schöpfer stehen. Als ich in den 90er Jahren einmal eine Reise durch Burgund unternahm und in der Vorhalle der Basilika von Vézelay stand, empfand ich die dortige Darstellung des Jüngsten Gerichts mit den darunter weit geöffneten Türen in die Basilika als eines der beeindruckendsten Reiseerlebnisse, das mich tief berührt hat. Als wolle Christus, der König und Weltenrichter, alle Menschen in das Himmlische Jerusalem einladen, Gäste zu sein beim Himmlischen Gastmahl. Doch die Entscheidung, diese Einladung anzunehmen oder abzulehnen, liegt bei jedem von uns selbst.

In der Zeit des Nationalsozialismus hatte das Christkönigsfest für die katholischen Jugendverbände eine ganz besondere Bedeutung. Ich glaube, von diesem Bekennermut und Aufbruchsgeist können viele Katholiken heute lernen.

Ende des 16. Jahrhunderts brach im westfälischen Unna die Pest aus. Diese Katastrophe brachte die Stadt und ihre Einwohner an den Rand des Abgrunds. Der evangelisch-lutherische Pfarrer (zusätzlich Calvinisten- und Papsthasser) Philipp Nicolai war hauptsächlich damit beschäftigt, tagtäglich hunderte von an der Seuche Hingerafften das letzte Geleit zu geben. In einem Brief an die Familie schrieb er über seine verzweifelte Lage. Was ihn überhaupt noch am Leben halte, sei einmal der Weihrauch [sic!], den ihm ein arabischer Händler besorgt habe (es muß wirklich gestunken haben wie die Pest) und das immerwährende Gebet und Gottvertrauen.

Wenn Menschen ihr eigenes Nahtod-Erlebnis hatten, sind sie danach meist zu unglaublichen Leistungen in der Lage. Ein Weihbischof aus meinem Heimatbistum, der schwer an Krebs litt und dem Tod mehr oder weniger von der Schüppe gesprungen ist, soll nun laut einigen Aussagen hervorragend tiefgehende Predigten halten. Philipp Nicolai verfaßte 1599 seinen Freudenspiegel des ewigen Lebens. Darin enthalten sind zwei der bemerkenswertesten Choräle, die jemals im Abendland entstanden sind und von denen ein Freund sogar zu sagen wagt, allein dafür schon habe sich die Reformation gelohnt. Felix Mendelssohn nahm einen dieser Choräle als Leitmotiv in den ersten Teil seines Oratoriums Paulus auf und änderte den Text der ersten Strophe leicht ab, was aber sehr schön zur Bedeutung des morgigen Hochfestes und zum Ewigkeitssonntag paßt:

"Wachet auf! ruft uns die Stimme
der Wächter, sehr hoch auf der Zinne,
Wach auf, du Stadt Jerusalem!
Wacht auf! Der Bräut'gam kommt.
Steht auf! Die Lampen nehmt!
Halleluja!

Macht euch bereit zur Ewigkeit!
Ihr müsset ihm entgegengehn!"

Dauerhaft

Irgendwie bin ich es leid, immer wieder frustriert so manche Liturgiefeier zu verlassen, weil der Herr Geistliche die Gläubigen mal wieder kräftig zugelabert hat. Ich weiß zwar, daß ich selbst wenig dagegen ausrichten kann. Aber ein Zeichen möchte ich hier schon setzten.

Daher habe ich mich dazu entschlossen, den Inhalt meines Eintrags vom August dauerhaft in die Leiste auf die rechte Seite zu setzen.

Dä!

Freitag, 20. November 2009

November

"November ist der Trauermonat. Ich finde das totalen Blödsinn. Alle erinnern sich dann an den Tod, und im Dezember ist alles wieder voller Glöckchen und Adventsfeiern. Und für den Trauernden steht Weihnachten wie ein Moloch vor der Tür. Wenn überhaupt, dann würde ich den Mai zum Trauermonat machen. Einen Monat, in dem die Natur den Weg zum Aufbruch weist."

Fritz Roth, Bestatter

Donnerstag, 19. November 2009

Das Gegenüber der Gemeinde

Heute Mittag hatte unsere Belegschaft ein Gespräch mit einem Vertreter der Diözesanleitung. Das Gespräch war thematisch und sollte einen Bezug zu unserem Arbeitsalltag bilden. Aufhänger waren die Bemühungen des Vatikans, Anglikanern die Rückkehr in die katholische Kirche zu ebnen. In diesem Zusammenhang stand auch die Frage nach dem Zölibat.

Für mich sehr nachvollziehbar und auch nicht zu sehr abstrakt waren die Ausführungen unseres Gesprächspartners. Doch beim Priesterbild im Vergleich zum evangelischen Pfarrer mußte ich stutzen: In der evangelischen Kirche trage der Pfarrer die Gebete stellvertretend für die Gemeinde vor Gott, bei uns Katholiken sei der Priester in persona Christi das Gegenüber der Gemeinde.

Freilich waren meine ersten Gedanken in der Liturgie und ich mußte unwillkürlich an die in Meßgewänder oder Betsäcke gehüllten Moderatoren unserer Heilige Messe genannten Liturgiefeiern denken. Allerdings habe ich nichts entgegnet, da ich offensichtlich der einzige in der Runde war, der diese Gedanken hegte. Niemand hätte meinen Einwand wirklich verstanden, und im Ernstfall wäre ich der mit dem Rücken zum Volk gewesen.

Heute Abend dann wurden meine Vorbehalte in der Meßfeier wieder einmal voll bestätigt: Aus der Sakristei kam neben einem Ministranten ein lila Stola tragender Zelebrant. Damit das aber nicht zu trist aussieht, trug er unter dieser Stola einen weißen Betsack. Das war wohl der pastorale Kompromiß aus Totengedenkmesse (nicht das Requiem!) für einen letzte Woche Verstorbenen und dem Gedenktag der Heiligen Elisabeth. Nach dem Einzugslied Wenn das Brot, das wir teilen begrüßte das Gegenüber der Gemeinde selbige mit salbungsvollen Worten, erklärte, warum wir heute hier sind und wandte seinen Blick immer in Richtung Angehörige des Verstorbenen, die im vorderen Bereich saßen. Vor der Lesung gab es eine Einführung, warum wir diese denn jetzt hören und was uns die Worte, die wir bis dato noch nicht gehört hatten, sagen wollen/sollen. Das Evangelium wurde Frohe Botschaft genannt, denn wir sind ja blöde Laien, die das nicht wissen, weshalb es uns vom Gegenüber übersetzt werden muß. Die Fürbitten waren selbstformuliert vom Ambo, freilich mit Blickrichtung zu den Angehörigen.

Ich hatte das Gefühl, als wollte der Priester des heutigen Abends unseren "Gästen" durch seinen steten Blick mitteilen: "Schaut mal, so schlimm ist das bei uns doch gar nicht. Wir machen das alles ganz persönlich."

Daß im II. Kanon kaum noch ein Satz unverändert blieb und eine Füllvokabel der anderen folgte, wunderte mich da gar nicht mehr. Unser Gegenüber hatte alles fest im Griff. Beim Friedensgruß kam der Priester dann zu jedem einzelnen Angehörigen gelaufen und nahm dabei den ganzen ersten Block auf der Südseite des Schiffes mit. Als er bei mir ankam, war ich schon kurz davor zu sagen: "Gehn'se lieber wieder hoch. Der Heiland wird sonst kalt", konnte mir das aber gerade noch verkneifen. Nach meiner Reihe hörte er dann plötzlich auf. Warum jetzt der Rest der Gemeinde keinen persönlichen Friedensgruß von unserem Gegenüber bekam, erschließt sich mir nicht so recht.

Und natürlich folgte auch zwischen Schlußgebet, Schlußlied und Segen noch eine Ansprache, in der uns das Gegenüber erklärte, was wir denn jetzt alles gemacht haben. Komisch, ich brauche dafür nur zwei Worte: Messe gefeiert!

Ist das etwa das Gegenüber, das unser Gesprächspartner heute Mittag meinte? Ich hoffe nicht!

Elisabeth und der Welttoilettentag

Eigentlich dachte ich bislang, daß heute der Gedenktag der Hl. Elisabeth von Thüringen ist. Allerdings lehrt mich da das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eines besseren.

Christkönig versus Totensonntag

In diesen Tagen habe ich einen anderen Arbeitsplatz (etwas mehr Verantwortung). Momentan geht es um das Programm für den kommenden Sonntag. Von überall her hört man den Begriff Totensonntag. Wieso auch was anderes, steht ja im Kalender!

Irgendwann mal ist mir der Kragen geplatzt und ich habe einen "Vortrag" über Christkönig gehalten. Zumindest im Sekretariat hat das gefruchtet. Die Kollegin verbessert inzwischen schon immer den Chef, wenn er das Wort Totensonntag in den Mund nimmt und grinst mich anschließend an.

Langsam an die Sache herangehen. In ein paar Jahren feiern wir dann auch wirklich Christkönig ;-)

Mittwoch, 18. November 2009

Musik ist Religionsfreiheit

Wie soeben Bild schreibt, hat das Landgericht Verden die Klage einer Anwohnerin abgewiesen, die angeblich unter der aus dem Dom dringenden Orgelmusik litt.

Die pensionierte Lehrerin muß nun weiterhin die Musik aus dem Dom "ertragen". Mich würde wirklich mal interessieren, wer sich hinter diesem Betroffenheitswahn verbirgt.

Update: Inzwischen schreibt auch die Welt darüber. Interessant ist da schon die Überschrift Dom-Kirche in Verden darf weiter orgeln. Spielt die Kiste da etwa von Geisterhand? Auch der Satz im Teaser "Doch der Richter setzte die Religionsfreiheit über das Wohl eines einzelnen." hat so einen leicht kirchenkritischen Charakter.

Ergänzung: Auf besonderen Wunsch möchte ich noch auf den Streit in Recklinghausen aufmerksam machen, über welchen der WDR berichtet. Allerdings ist hier zu sagen, daß nach einem Urteil des BVG der Uhrschlag juristisch nicht unter die Freiheit der Religionsausübung fällt. Daran schuld sind u.a. kirchliche Vertreter, die auf die Anfrage, ob es denn einen religiösen oder liturgischen Bezug gäbe, nur mit "Muh" geantwortet hatten. Selbstgewolltes Elend, sage ich da nur!

Dienstag, 17. November 2009

Hasenhüttl bittet Bischof Ackermann um Rehabilitierung

Der umstrittene Saarbrücker Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl hat den Trierer Bischof Stephan Ackermann um die Aufhebung seiner Suspension gebeten, wie die Saarbrücker Zeitung berichtet. Die Reaktion des Bischofs war demnach die folgende:

"In einem Antwortschreiben habe er dem 75-jährigen Theologen Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber auch deutlich gemacht: Die Aufhebung sei unverändert an Bedingungen geknüpft. Hasenhüttl muss sich demnach 'klar zur katholischen Lehre bekennen'."

Was immer ein "Bekenntnis zur katholischen Lehre" bedeutet, in Deutschland scheint das je nach Auslegung sehr unterschiedlich und extrem dehnbar zu sein - wer beruft sich nicht alles auf das II. Vatikanische Konzil.

Ein wenig hinterhältig finde ich es von Hasenhüttl schon, den Nachfolger des "ungebliebten" Reinhard Marx mit einem Glückwunschschreiben zu umgarnen.

Mal sehen, wie der neue Bischof handeln wird.

Update: Gottholt Hasenhüttl hat offenbar die Bedingungen Bischof Ackermanns nicht akzeptiert und wirft diesem vor, nicht zu einem "Dialog ohne Vorbedingungen" bereit zu sein.

Doch Fortsetzung der Beziehungen?

Bereits am vergangenen Wochenende war in den Medien zu vernehmen, daß die russisch-orthodoxe Kirche ihre Beziehungen zur EKD doch nicht abbrechen will. Wie aber nun die Fortsetzung des Dialogs aussehen soll, daß weiß noch keiner so recht.

Bei Glaubenslust ist ein längerer Artikel von P. Maximiliano Cappabianca zu lesen, in welchem dieser über sogenannte "ökumenische Affären" spricht:

"In Wahrheit geht es nicht um die Diskriminierung von Frauen, sondern um das Amtsverständnis. Bischöfe sind keine Vereinsvorsitzenden, von denen Frauen um der Gleichheit willen nicht ausgeschlossen werden dürften. Nicht umsonst ist die Bischofsweihe bei Orthodoxen wie Katholiken, anders als bei den Protestanten, ein Sakrament. Die Orthodoxen sind hier vielleicht ein 'Stachel im Fleisch', der zu mehr Wahrhaftigkeit im Dialog zwingt; vielleicht auch für Katholiken, die sich oft selber ihrer Überzeugungen nicht mehr sicher sind."

Montag, 16. November 2009

Brahms

Gerade läuft bei mir Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms. Auch wenn einem die permanente liberale Theologie mit ihrer Allversöhnung (Alles wird gut!) manchmal auf den Zeiger gehen kann: Die Musik ist wirklich gut und sehr beeindruckend.

Aber auch die Texte sind nicht düster, sondern tröstend.

Neue Wege in der Katholischen Soziallehre?

"Neue soziale Fragen haben neue soziale Bewegungen hervorgerufen, die auch die einstmals mächtige katholische Arbeiterbewegung (KAB) überholten und verdrängten. Diesen Ablösungsprozeß haben große Teile des Verbandskatholizismus verschlafen. Daran konnte auch der halbherzige und verspätete Versuch christlich-sozialer Gruppen nichts mehr ändern, sich der Friedens-, Ökologie- und Frauenbewegung anzuschließen, um dadurch selber wieder mehr Bewegung zu erhalten. Die Frage ist: Haben sich die katholischen Sozialverbände 'zu Tode gesiegt', indem sie ihre traditionellen Ziele erreichten - oder gibt es neue Ziele, die auch zu neuen Ufern führen?

Das von Papst Paul VI. (1897-1978) verfaßte Dokument 'Octogesima adveniens' (1971) enthält eine geradezu prophetisch vor(weg)genommene 'Wende' der Katholischen Soziallehre zu den neuen sozialen Problemen, die von der katholischen Sozialbewegung leider kaum nachvollzogen worden ist. Wohl aber von Heiner Geißler der die 'neue soziale Frage' für die CDU-Programmatik entdeckte, allerdings ohne großen Erfolg. Manchmal erweist sich das Lehramt als die eigentliche Avantgarde, der aber die Truppen nicht folgen."

Wolfgang Ockenfels, OP